Mit „Gestalt“ hat Fritz Perls, der Begründer der Gestalttherapie, die verschiedenen Themen, die einen Menschen beschäftigen, bezeichnet. Auf „Beziehung“, „Selbstverantwortung des Klienten“ „Gegenwärtigkeit – Hier und Jetzt“, „ganzheitliche Bewusstheit meiner selbst“ sind dabei zentrale Elementewird dabei besonders geachtet. Mehr…

Gestalttherapie ist eine therapeutische Grundhaltung, die mir sehr entspricht. Ich bin eine aufmerksame Zuhörerin, beobachte, erforsche zusammen mit dem Klienten auch seine nonverbalen Signale und meine Resonanzen darauf (Beziehung). Thema, Tempo, Richtung, all das bestimmt der Klient (Selbstverantwortung). Wir sind gemeinsam Forschende auf einem Weg, von dem ich nicht den Anspruch habe, ihn schon vorher zu kennen, nur weil ich Therapeut bin. Sich selber besser kennen zu lernen ist eine spannende Reise.  Die „Gestalten“ stehen wechselnd im Vordergrund (hier und jetzt), und zwar immer dann, wenn sie „offen“ sind, d.h. wenn sie gerade besonders aktuell sind oder durch Erinnerung wach werden. Schmerzende Themen drängeln sich dabei gerne mal in den Vordergrund, weil sie noch Aufmerksamkeit und Heilung brauchen. Allerdings nicht immer deutlich, sondern durch Seitentürchen, wie Stimmungen, Kopfschmerzen, Schlafstörungen, zu viel oder wenig Appetit … . Dort werden sie  gerne wieder verdrängt, was viel Kraft kostet – oder wir nutzen gemeinsam die Chance und sie stehen für die therapeutische Arbeit zur Verfügung. Durch die Aufmerksamkeit von Klient und Therapeut bekommen sie einen neuen Stellenwert (Bewusstheit), einen zusätzlichen Zeugen und Kommunikationspartner – wie oft hat jeder von uns in der Vergangenheit versucht, immer alles nur mit sich selbst auszumachen und alleine wieder ins Gleichgewicht zu finden. Wenn Gestalten sich wieder „rund“ und „geschlossen“  und integriert anfühlen, treten sie von selber wieder in den Hintergrund. Gestalttherapie versucht immer, ein Thema ganzheitlich zu sehen. d.h., wir (Therapeut und Klient)nehmen es gemeinsam wahr: emotional, kognitiv und in seinem Ausdruck (Ganzheitlichkeit). Meist fehlt es an einem oder an mehreren dieser Aspekte und das Problem zeigt sich nur an einem Zipfel: eine plötzliche Traurigkeit oder Wut, ein einsames Grundgefühl oder eine Sucht, ein Problem mit dem Lebenspartner, etwas nervt mich am mir oder an einem Anderen, oder der Körper übersetzt den Ausdruck in eine psychosomatische Erkrankung, in Burnout oder Depression. Hilfreich ist auf diesem Weg, wenn zwei sich widersprechende innere Anteile („Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust“,  sagte schon Goethe) jede für sich mal sich äußern darf und die Spannung so deutlich wird. Das geht klassisch, indem man sich nacheinander auf zwei verschiedene Stühle setzt und sich in die verschiedenen Aspekte einschwingt, nach Körpergefühl, Impulsen und Ausdruck schaut. Das geht aber auch künstlerisch oder es zeigt sich in dem, was wir gestalten oder nicht schaffen zu gestalten. Hier treffen sich Kunst- und Gestalttherapie und hier ist meine bisherige kunsttherapeutische Arbeit eine gute Ergänzung.

 

Gestalttherapie

Als Therapeut bin ich dafür da, einen Raum zu geben, dass das, was in Ihnen los ist an persönlichen Gefühlen und Betroffensein, sein darf. Das klingt einfacher, als es  ist, denn meist verstecken sich diese Gefühle wie in einer Zwiebel unter Schichten aus Konventionen, eigenen Vorstellungen, wie ich gern wäre, Unsicherheit, Scham, Angst und je nach Temperament Wut oder Gefühllosigkeit. Sie zeigen sich in ganz kleinen, oft unbewussten Gesten, der Klangfarbe der Stimme, manchmal auch Bildern, die gemalt werden. Eine spannende Forschungsreise. Wenn diese Anteile da sein dürfen, Beachtung, Mitgefühl und einen angemessenen Ausdruck finden können, kommen sie von ganz alleine auch in Bewegung und verändern sich. Meist sind genauso versteckt auch schon Lösungen zu finden, jeder Mensch bringt seine eigenen Selbstheilungskräfte mit! Diesen Erkenntnisprozess zu unterstützen und zu begleiten, manchmal auch einfach auszuhalten bin ich als Therapeutin da. Nach jeder Stunde versteht der Klient/die Klientin ein bisschen besser, warum er/sie so tickt wie er tickt und was sein/ihr eigener Beitrag dazu ist. Damit kennt er/sie dann auch die Schräubchen, an denen er/sie drehen kann um etwas zu verändern. Denn die anderen kann leider niemand von uns ändern.

Auf diesem Weg werden Ressourcen (wieder-) gefunden oder neu gebildet, neue Möglichkeiten von Kontaktfähigkeit entdeckt und gestärkt, Entspannung erlebt, die Verbindung zu eigenen inneren Kräften gestärkt und Experimentierfreude auf allen Ebenen entwickelt.